Alte Hochzeitsbräuche sind wieder gefragt

Heiraten wird laut Statistischem Bundesamt wieder beliebter. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Eheschließungen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr jeweils um 3 bis 4 Prozent an, 2015 wurde erstmals seit 15 Jahren die magische 400.000er-Marke geknackt. Die Brautpaare finden dabei zunehmend auch wieder Gefallen an den guten, alten Bräuchen, die zu Hochzeiten von jeher dazu gehören – das zeigt sich nicht nur daran, dass die Farbe weiß bei den Hochzeitskleidern im Trend liegt. Auch andere Hochzeitsbräuche werden wieder gepflegt.

Hupend werden böse Geister vertrieben

Zu den nach wie vor beliebtesten Bräuchen zählen das Zersägen eines Baumstamms, das Reiswerfen und die lautstarke Rundfahrt durch die Stadt. Allen Bräuchen kommt dabei eine bestimmte Bedeutung zu. Der Holzstamm wird den frisch Vermählten beispielsweise deshalb traditionell in den Weg gelegt, damit sie eine erste Herausforderung meistern können. Zugleich symbolisiert das gemeinsame Zersägen des Stamms die angestrebte Kooperation und Gleichberechtigung in der Ehe. Bei der Stadtrundfahrt, bei der früher leere Blechdosen mit einem Strick am Auto befestigt wurden und die heutzutage eher mit einem lautstarken Hupkonzert verbunden ist, sollen wiederum böse Geister vertrieben werden. Hier sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass dies aus Sicht der Straßenverkehrordnung womöglich nicht legal ist.

Trauzeugen und Brautjungfern sind gefragte Begleiter

Ging zwischenzeitlich seit einigen Jahren der Trend in Richtung weniger opulenter Hochzeiten, bei denen nicht selten auch mal nur im engsten Kreis gefeiert wurde, so nimmt die Gäste- und Teilnehmerzahl zuletzt wieder zu. Selbst wenn das Beisein von Trauzeugen gesetzlich längst nicht mehr gefordert wird, möchten mehr und mehr Paare aus Traditionsgründen nicht auf selbige verzichten. Und auch Brautjungfern stehen der Braut immer häufiger wieder zur Seite. Auch diese erfüllen übrigens dem Brauch nach einen bestimmten Zweck: Die unverheirateten Jungfern sollen die Braut auf ihrem Weg zum Altar vor bösen Geistern beschützen. Gewissermaßen, um den Geistern das Leben möglichst schwer zu machen, halten sich die Brautjungfern in der Nähe der Braut auf und tragen ein ähnliches Kleid wie die Hauptdarstellerin des großen Tages – wenngleich es sich selbstverständlich immer um ein Kleid handeln sollte, das etwas weniger pompös ist, um der Braut nicht den Rang abzulaufen.

Junggesellenabschiede gehören für viele dazu

Die Rückbesinnung auf alte Bräuche beginnt dabei im Allgemeinen bereits vor dem eigentlichen Hochzeitstag. Polterabend und Junggesellen- respektive Junggesellinnenabschied gehören für viele inzwischen wieder fest zum Brauchtum dazu. Die letzte große Party mit den Freunden vor der Ehe gewinnt dabei sprunghaft an Beliebtheit, was unter anderem auch daran liegt, dass Agenturen bei der Organisation helfen und mit außergewöhnlichen Angeboten aufwarten. So lässt sich etwa ein Junggesellenabschied in Hamburg planen oder auf Mallorca feiern – jeweils mit typischem Programm wie Reeperbahn-Besuch oder Ballermann-Party, aber auch ausgefalleneren Aktivitäten. Zuletzt zeichnet sich dabei ab, dass junge Leute bereit sind, deutlich mehr Geld für den Junggesellenabschied auszugeben als noch vor zehn Jahren, und nicht mehr nur im Nachbarort feiern, sondern mehrere Tage in einer anderen Stadt verbringen, nicht selten sogar im Ausland.

Selbst die Brautentführung ist wieder im Kommen

Selbst in der Neuzeit als eher ungewöhnlich angesehene und daher selten fabrizierte Hochzeitsbräuche schaffen es seit einigen Jahren wieder aus der Versenkung heraus. So zählt zwar die Brautentführung nach wie vor nur für wenige Brautpaare zum Repertoire der Bräuche für den großen Tag, doch kommt sie mittlerweile vorwiegend in ländlicheren Gegenden immer mal wieder vor. Freunde des Paares „entführen“ dabei die Braut kurz vor der Hochzeit und verstecken sie entweder in einem Gasthaus in der Nähe oder bei einem der Beteiligten zu Hause. Aufgabe des Bräutigams ist es nun, seine Auserwählte wiederzufinden – und gegen Zahlung eines Lösegeldes, gemeinhin einer Auslöse in Form einiger Kästen Bier oder der Begleichung der Kneipenrechnung, freizukaufen. Einst handelte es sich dabei um einen der gängigsten Hochzeitsbräuche in Deutschland. Zuletzt ist es etwas ruhiger darum geworden, doch scheint sich das derzeit langsam zu ändern.